Sie sind hier: Obl. im Wandel der Zeit
Zurück zu: Startseite
Allgemein: Impressum

Suchen nach:

Oblaten im Wandel der Zeit

OBLATEN IM WANDEL DER ZEIT
- Ein geschichtlicher Überblick -



Ein schwieriger Begriff

Oblate - ein wenig bekanntes Wort: Die meisten kennen es als "die Backoblate", doch das ist die zuletzt entstandene Bedeutung. Das Wort ist abgeleitet von Oblaten - auch Hostien genannt -, die in christlichen Gottesdiensten gereicht und aus den gleichen Zutaten hergestellt sind wie Backoblaten. "Die Oblaten" in der heiligen Messe werden konsekriert und als eucharistisches Brot, als Leib Christi, den Gläubigen gespendet: Jesus Christus ist als Opfergabe mit seinem Tod und seiner Auferstehung gegenwärtig. "Der Oblate" ist ein Christ, der sich in besonderer Weise Gott zur Verfügung stellt, sich also hineinbegibt in das Kreuzesopfer und die Auferstehung Christi.

Das Wort hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache und kommt von dem Partizip "oblatus" des Verbs "offere", das heißt "opfern, darbringen". Oblate hat also zweifache Bedeutung: "Die Oblate" ist das dargebrachte, geopferte Brot, und "der Oblate" ist ein Mensch, der sich Gott darbringt. Damit hängt "oblatio" zusammen, die Handlung, bei der etwas dargebracht wird. Früher wurde damit die ganze Heilige Messe bezeichnet, später engte sich die Bedeutung auf den Opfergang und das Gabengebet ein. Im Zusammenhang mit dem Oblaten, der sein Leben Gott zur Verfügung stellt, ist die "oblatio", die Oblation, der feierliche Akt, in dem er diesen Schritt vollzieht.


Kinderoblaten

Als Benedikt seine Regel schrieb, war es üblich, daß Eltern ihre Söhne einem Kloster darbringen konnten. Diese wurden dann von den Mönchen erzogen, um selbst Mönche zu werden und lebenslang im Kloster zu bleiben. Der Aufnahme solcher Knaben widmet Benedikt das 59. Kapitel seiner Regel, das Richtlinien für die Übergabe enthält. Die Eltern müssen eine Urkunde ausstellen wie bei der Profeß eines Erwachsenen (RB 58,29); dann "wickeln sie diese Urkunde und die Hand des Knaben in das Altartuch und bringen ihn so dar" (RB 59,2). Die Übereignung des Kindes an das Kloster erfolgt also in einer liturgischen Feier. Dieser Brauch hat sich durch alle Wandlungen des Oblatentums erhalten und deutet auf die Wichtigkeit des Geschehens hin. An sich haben zu Benedikts Zeiten hauptsächlich "Vornehme" (RB 59,1) ihre Söhne dargebracht und die "oblatio" mit einer Schenkung verbunden. Doch konnten auch "Ärmere" (RB 59,7) ihre Söhne darbringen. Sie mußten sich demselben Ritus unterziehen, man erwartete aber keine Gabe. Für diese Armen bedeutete die Aufnahme ihres Kindes ins Kloster eine echte Hilfe, denn sie mußten ein Kind weniger ernähren. Außerdem wußten sie es gut untergebracht, es hatte eine gesicherte Zukunft und erfuhr einen sozialen Aufstieg. Für uns heute ist es kaum zu verstehen, daß Eltern das Leben ihrer Kinder vorbestimmen konnten. Für die Menschen damals war das kein Problem, denn sie übereigneten ihr Kind der Gnade Gottes und erhofften für dieses und sich selbst himmlischen Segen. Papst Gregor der Große (+ 604), der das Leben Benedikts aufgezeichnet hat und als erster Missionspapst gilt, schickte während seines Pontifikats, das 590 begann, 39 Mönche unter einem Abt aus Rom nach Britannien - heute die britischen Inseln -, um dort das Christentum zu verbreiten. Sie brachten die Benediktusregel mit, und alle Klöster, die sie gründeten, lebten nach ihr; so wurde auch dort der Brauch der Kinderoblaten weitergeführt. Berühmte Missionare des frühen Mittelalters gehörten dazu, z.B. Willibrord, der "Friesenmissionar", und Bonifatius, der "Missionar Deutschlands".

Noch im hohen Mittelalter wurden Knaben - mit der Gründung von benediktinischen Frauenklöstern auch Mädchen - als Oblaten an Gott "hingegeben". Zu ihnen gehörten zum Beispiel Hildegard von Bingen (1098 - 1179) und Thomas von Aquin (1225 - 1274). Allerdings hatten Kinderoblaten zu dieser Zeit das Recht, als Erwachsene frei zu entscheiden, ob sie im Kloster bleiben wollten oder nicht. Manchmal kann die Oblation kaum unterschieden werden von der Übergabe von Kindern zur Erziehung an ein Kloster. In der Abteikirche der Benediktinerinnen vom Nonnberg in Salzburg befindet sich das Grab einer Tochter von Dietrich von Raitenau, von 1587 bis 1612 einer der umstrittensten Fürsterzbischöfe des Landes. Sie stammte aus der eheähnlichen Verbindung mit Salome Alt und wurde von ihren Eltern dem Kloster im Kindesalter zur Erziehung übergeben. Sie soll ein stilles, frommes Mädchen gewesen sein, das sich ganz Gott hingab und dann früh starb - wie eine Heilige, sagt die Überlieferung. Am Ende des 19. Jahrhunderts, einer Zeit der Erneuerung des benediktinischen Mönchtums, lebte die Tradition der Kinderoblaten in einer neuen Form auf. Man gründete Schulen und nannte die Schüler "Oblaten" zur Vorbereitung auf den Ordensberuf. So gab es in der Abtei Seckau ab 1887 eine "Oblatenschule", die nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr weitergeführt wurde. Auch die Schüler der Abtei Emaus in Prag wurden als Oblaten bezeichnet. Dahinter stand das Bemühen, die Schüler mit dem Klosterleben, besonders mit Gottesdienst und Stundengebet, vertraut zu machen, und sie so für den Klosterberuf zu interessieren. Eine davon abgewandelte Form wird bis heute im Schweizer Kloster Engelberg gepflegt. In einer Oberklasse werden die Schüler darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich als Oblaten dem Kloster anschließen können. Interessenten werden in die Regel Benedikts sowie in das Oblatentum eingeführt und geistlich begleitet. Nach einem Jahr kann die feierliche Oblation abgelegt werden. Die anwesenden Oblaten erneuern bei dieser Gelegenheit ihre Oblation. Obgleich diese Oblaten bei ihrem Eintritt sehr jung sind, bleiben sie meistens dabei; etwa die Hälfte erneuert jährlich schriftlich die Oblation. Aus dieser Oblatengemeinschaft sind auch Ordensberufe hervorgegangen. Jährlich wird ein Rundbrief versandt mit spirituellen Anregungen sowie Nachrichten aus der Oblatengruppe und dem Kloster. Zwei Einkehrtage werden im Jahr angeboten, zu denen sechs bis sechzehn Teilnehmer kommen, die sehr engagiert sind. Heute zählt diese Oblatengruppe noch 185 Mitglieder, doch gehen die Neuaufnahmen stark zurück.


Oblaten im Mittelalter

Über den ersten Missionsauftrag der Mönche, die von Rom nach Britannien in ein ganz fremdes, weit entferntes Land zogen, sind Briefe von Papst Gregor erhalten geblieben, die der dritte Erzabt von St. Ottilien, Suso Brechter (1910 - 1975), wissenschaftlich untersucht hat. Nachfolger dieser Mönche kamen von Britannien wieder aufs Festland, um auch dort das Christentum zu verbreiten, allen voran der hl. Bonifatius. Wie bei der Missionierung Britanniens wurden hier ebenfalls Klöster unter der Regel Benedikts gegründet. Auch Frauen kamen von dort, um Klöster einzurichten und die Arbeit der Mönche zu unterstützen. Zu ihnen gehört unter anderem die hl. Lioba, die von Bonifatius gerufen wurde. Diese Klöster bildeten religiöse, kulturelle und soziale Zentren, die nach außen wirkten und zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung beitrugen. Bald fanden sich Menschen, die näheren Anschluß an die Klöster suchten und den Mönchen manche Arbeit abnahmen. Sie wurden "oblati" oder auch "familiares" genannt, weil sie in einem besonders engen Verhältnis zum Kloster standen. Diese Oblaten waren dem Abt beziehungsweise der Äbtissin zu Gehorsam verpflichtet; meistens trugen sie eine einheitliche Kleidung. Diese Form des Oblatentums dürfte es auch für weibliche Bedienstete an Frauenklöstern gegeben haben, auch wenn es darüber keine Überlieferung gibt; sie sorgten für die meist adeligen Nonnen. Diese Frauen erhielten nach dem Tridentinischen Konzil zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Möglichkeit, als Laienschwestern in das Kloster einzutreten und Gelübde abzulegen. Bei den Reformen des II. Vatikanischen Konzils wurden die Unterschiede zwischen Chorfrauen und Laienschwestern aufgehoben.

Vom Reformkloster Cluny im heutigen Frankreich, das 910 gegründet wurde, gingen starke Impulse für die Entfaltung des Oblatentums aus. Daraus entwickelte sich das "Institut der Oblaten", eine Bezeichnung, die zum ersten Mal im 11. Jahrhundert auftaucht, jedoch schon länger bestanden haben dürfte. Die große benediktinische Reformbewegung der Zisterzienser förderte die Oblaten ebenfalls. Eine Chronik berichtet, daß im Kloster Hirsau bei Calw im heutigen Württemberg im 11. Jahrhundert 150 Mönche, 60 Laienbrüder und 50 Oblaten gelebt hätten. Während sich Oblateninstitute der Benediktinerklöster durch die Jahrhunderte hindurch erhalten haben, sind sie bei den Zisterziensern fast erloschen. Heute bemühen sich Klöster dieses Ordens wieder um Oblaten. Auch der Templerorden hatte Oblaten; es war ein Kreuzritterorden, der 1119/1120 gegründet wurde, die Regel Benedikts als Grundlage hatte und von Bernhard von Clairvaux unterstützt wurde. Diese Gemeinschaft versuchte das Mönchsideal mit dem Ritterideal, also Geistliches und weltliches, zu verbinden. Die ihnen angeschlossenen Oblaten stammten aus dem Stand der Gefolgsleute, der "Knappen und Knechte". Diese wurden auch "Donaten" genannt, eine Bezeichnung, die manchmal in benediktinischen Klöstern anstelle von Oblaten verwendet wurde. Dieses Wort geht auf lateinisch "donare" = "geben, schenken" zurück und kann mit der Gabe zusammenhängen, die ein Donat dem Orden überließ, wenn er sich ihm verband. Im tieferen Sinn kann es aber auch mit "der Geschenkte" in Verbindung gebracht werden: er schenkt sich dem Orden.

Im 11. Jahrhundert, in dem das Leben in einem Kloster höher bewertet wurde als andere Lebensformen, scheint die Lebensform der Oblaten zwischen Kloster und Welt Anstoß erregt zu haben, denn Papst Urban Il. (+ um 1099) erließ eine Bulle zu deren Schutz, in der es unter anderem heißt, "daß dieses Institut lobenswert ist und verdient, verbreitet zu werden, da es nach den Grundsätzen der Kirche der ersten Jahrhunderte aufgebaut ist".

Die Christianisierung West- und Mitteleuropas erstreckte sich bis ins 9. Jahrhundert hinein. Die einstigen Missionsklöster wurden in bewegten Zeiten von den Regierenden als stabilisierende Stätten geschätzt und gefördert. Dabei spielten nicht nur machtpolitische Interessen eine Rolle, sondern sie waren ihnen geistig verbunden und vertrauten sich ihrem fürbittenden Gebet an. Manche dürften in einer oblatenähnlichen Verbindung mit einem Kloster gelebt haben, unter ihnen Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde, die als Patrone der Oblaten gelten. Von ihm ist eine Legende aus dem Kloster Vannes in Verdun überliefert: Heinrich bat dort um Aufnahme, weil er sich von den Weltgeschäften zurückziehen und ein beschauliches Leben führen wollte. Der Abt fragte ihn, ob er ihm auch jetzt, da er noch nicht eingetreten sei, Gehorsam leisten wolle. Heinrich gelobte es, und der Abt forderte ihn auf, in der Welt zu bleiben und die ihm von Gott übertragene Regierung seines Reiches weiterzuführen.

Je bewegter die Geschichte der Klöster im Mittelalter wurde, zum Beispiel durch die Reformbewegungen der Franziskaner und Dominikaner im 13. Jahrhundert, desto weniger hört man von Oblaten. Es gab sie jedoch auch weiterhin, denn die hl. Francesca Romana (1384-1440) war eine in der Welt lebende Oblatin. Sie führte vierzig Jahre lang eine glückliche Ehe, aus der sechs Kinder hervorgingen. An erster Stelle widmete sie sich ihren Pflichten für die Familie und verband sie mit einem lebendigen spirituellen Leben. Sie scharte eine Gemeinschaft gleichgesinnter Frauen um sich, unter denen sie die einzige Ehefrau war. Aufgrund ihrer Initiative schlossen sich alle als Oblatinnen dem ihr vertrauten Kloster Santa Maria Nuova der Olivetaner an und lebten als Gemeinschaft, die heute noch besteht. Sie verließ nach der Oblation ihre Familie nicht, sondern trat erst nach dem Tod des Mannes in die von ihr gegründete Kommunität ein. Auch sie ist eine Patronin der Oblaten.

Aus den geschilderten Lebensweisen der Oblaten seit Beginn der Christianisierung Europas haben sich verschiedene Formen des Oblatentums entwickelt, die heute noch bestehen. Es gibt die sogenannten Klaustral-, Klausur- oder Hausoblaten, die ohne Gelübde in einer klösterlichen Gemeinschaft leben und den "familiares" des Mittelalters vergleichbar sind. Außerdem gibt es gebundene Oblatengemeinschaften, die sogenannten Regularoblaten, wie sie Francesca Romana gegründet hat. Die heute am meisten verbreitete Form des Oblatentums sind die Benediktineroblaten, die in der Welt aus dem Geist der Regel Benedikts leben.


Einbrüche und Aufbrüche

Die Reformation am Anfang des 16. Jahrhunderts brachte für die meisten Klöster tiefe Einbrüche und Veränderungen, die sich auch auf die Oblateninstitute auswirkten. Ein Märtyrer aus dieser konfliktreichen Zeit ist Thomas Morus, geboren um 1477, Familienvater und Lordkanzler des englischen Königs Heinrich VIII. Er verweigerte den von ihm geforderten Suprematseid, mit dem er dem König die absolute Verfügbarkeit über die Kirche zuerkannt hätte. Deshalb wurde er zum Tode verurteilt und am 6. Juli 1535 hingerichtet. Thomas Morus war Oblate der berühmten Benediktinerabtei St. Augustin in Canterbury.

Erst im Zuge der Klosterreform des Tridentinischen Konzils lebte das Oblatentum wieder auf. Dafür ist Elena Lucrecia Cornaro Piscaro (1646 -1684) -Oblatin des Klosters San Giorgio in Venedig - ein lebendiges Beispiel. Sie stammte aus einer wohlhabenden venezianischen Familie, war sehr intelligent und religiös, sprach mehrere Sprachen und studierte in Padua Theologie und Philosophie. Ihr Wunsch, in ihrem Lieblingsfach Theologie ihren Doktor zu machen, wurde abgelehnt, weil sie eine Frau war. So promovierte sie in Philosophie und ist die erste Frau überhaupt, die einen Doktortitel erworben hat.

Außerdem geht die Belebung des Oblatentums aus Dokumenten seit Beginn des 17. Jahrhunderts hervor, die im Archiv der Benediktinerinnenabtei Nonnberg erhalten sind: Oblationsurkunden seit 1685, "Skapulierordnungen", das sind Oblationsriten sowie Regeln und Satzungen. Darin kommt zum Ausdruck, wie Christen, die in der Welt lebten, ihr Leben an der Regel des hl. Benedikt ausrichteten. Die Frömmigkeitsformen damals unterscheiden sich von den heutigen, doch das Grundanliegen eines bewußt gestalteten religiösen Lebens aus benediktinischem Geist ist gleich geblieben. In den Oblationsriten kommt ganz besonders die Nähe der Oblatin zum Kloster zum Ausdruck: An der Schwelle zur damals strengen Klausur legte sie in einer Kapelle des Klosters ihr Oblationsversprechen vor der "gnedig Frau", der Äbtissin, und einer Schwester ab, die beide den "Flocken" beziehungsweise die Kukulle trugen, ein Zeichen dafür, daß eine feierliche liturgische Handlung vorgenommen wurde. Die Oblatin unterschrieb wie heute die Oblationsurkunde mit ihrem Oblatennamen und erhielt das Skapulier "des Hoch-Heyligen Vatters Benedicti", das am Nonnberg aufgrund dieser Tradition noch heute überreicht wird; auch andere Klöster haben diesen Brauch beibehalten. Außerdem steckte ihr die Äbtissin den "Mächl Ring" - Gemahlsring - an, der die Bindung an den "Gespons" - Bräutigam - Jesus Christus bekräftigt, jedoch nicht im Sinne des Ordensgelübdes, sondern als Christin in der Welt, denn die Oblatin konnte verheiratet sein. Die Ringübergabe war am Nonnberg noch bis Ende des 19. Jahrhunderts bei Oblationen üblich. Wichtiges Symbol einer solchen Oblation war - wie heute auch - die Kerze, die mit "volgentem Spruch" übergeben wurde:

"Das göttlich licht verlösche nie, in Eurem Herz Gott brinnendt sie, damit Ihr in der lieb besteth, den göttlich gespons entgegen geth."

In den Satzungen und Regeln wird nicht von Oblaten, sondern von "Dem Dritten Orden des Heiligen Vatters Benedicti" gesprochen in Anlehnung an diese Bezeichnung bei anderen Orden, besonders bei den Franziskanern. Es bestand und besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied, auch wenn die Oblaten kirchenrechtlich den Dritten Orden gleichgestellt sind: Franziskus hat eine eigene Regel für seinen Dritten Orden geschrieben, die auf Menschen ausgerichtet ist, die in der Welt leben. Außerdem bilden diese außerhalb der Klöster regionale Gruppen, die häufig von Weltgeistlichen begleitet werden. Der Oblate dagegen führt sein Leben nach den Grundsätzen der Regel Benedikts, die eigentlich für Mönche geschrieben ist, aber wegen ihrer auf den Menschen ausgerichteten Weite von Christen außerhalb des Klosters gelebt werden kann. Er schließt sich einem benediktinischen Kloster seiner Wahl an und bleibt an dieses gebunden. Seine geistliche Begleitung übernimmt das Kloster. Einen weiteren Einbruch, unter dem die Klöster Mittel- und Westeuropas sehr gelitten haben und der auch die Oblaten traf, waren Ende des 18. und am Beginn des 19. Jahrhunderts die Französische Revolution, die Josephinische Reform in Österreich und die Säkularisation in Deutschland. Welche Hilfen Oblaten damals ihren Klöstern geleistet, welchen Schutz sie verfolgten Ordensangehörigen gewährt und wie sie diese in den Wirren der Zeit unterstützt haben, ist nicht überliefert. Doch lassen Beispiele aus der Geschichte unseres Jahrhunderts, so aus dem Dritten Reich und aus kommunistischen Ländern, auf solche Hilfen auch damals schließen.


Neubelebung des Oblatentums

Dem Niedergang der Klöster in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der durch die politischen Gegebenheiten herbeigeführt worden war, steht ein Wiederaufblühen in der zweiten Jahrhunderthälfte gegenüber. Das gilt auch für das Oblatentum, das von Frankreich aus neue Impulse empfing. Diese gingen besonders von Abt Prosper Guéranger von Solemnes (1805 -1875) aus und wurden von der jungen Beuroner Kongregation weitergetragen. Auf ihrem Generalkapitel 1885 wird allen Klöstern der Kongregation empfohlen, Oblaten-Institute aufzubauen nach dem Vorbild der Abtei Maredsous. Diese Bestrebungen erhielten durch Rom einen Rückhalt, denn die Päpste Leo XIII. (1810 -1903) und Pius X. (1835 - 1914) approbierten "Statuten für in der Welt lebende Oblaten", die vom Abtprimas der 1893 entstandenen "Konföderation der benediktinischen Kongregationen" entworfen und dann überarbeitet worden waren. Vom 26. Juni 1904 gibt es einen Brief des damaligen Abtprimas Ildebrand de Hemptinne, in dem er die endgültige Fassung dieser Statuten zur Genehmigung vorlegt. Inzwischen sind diese im deutschsprachigen Raum von den "Satzungen" der Beuroner Kongregation und dann von denen der Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten abgelöst worden. Offiziell haben die römischen Statuten jedoch nie ihre Gültigkeit verloren.

Von nun an existierten die Oblateninstitute an den Klöstern ohne Unterbrechung weiter. Sie überstanden zwei Weltkriege und die kommunistischen Diktaturen in den Ländern des Ostens. Durch das II. Vatikanische Konzil erhielten sie neue Anregungen. Vor allem erwachte der Wunsch des Gedankenaustauschs unter den Klöstern, über dessen Entwicklung Erzabt Hieronymus Nitz, der sich bis heute selbstlos für die Oblaten einsetzt, in einem eigenen Artikel berichtet. Das Zusammenwirken der Klöster und ihrer Oblatengemeinschaften in der Arbeitsgemeinschaft Benediktineroblaten hat sich seit ihrem Bestehen intensiviert. Es wurden auch Kontakte mit Oblaten hinter dem "Eisernen Vorhang" gepflegt. So kamen vor dem Fall der Mauer Schwestern im Rentenalter - jüngeren war ein Besuch in Westdeutschland nicht erlaubt - aus der Benediktinerinnenabtei Alexanderdorf regelmäßig zu den Tagungen der Arbeitsgemeinschaft. Deren Mitteilungen an die Klöster und persönlicher Briefwechsel vertieften die Verbindung. Auch aus den anderen Ostländern trafen Nachrichten ein, doch was die Oblaten dort für die Klöster - soweit sie bestehen blieben - und für vertriebene Ordensleute getan haben, ist kaum abzuschätzen. Sie setzten sich - ähnlich wie im Dritten Reich - großer persönlicher Gefährdung aus, wenn sie zum Beispiel Mönchen im Untergrund Hilfe leisteten oder als Oblatengemeinschaft zusammenkamen. Nach der Wende haben sie sich für die Wiederherstellung der zurückgegebenen Klöster eingesetzt, die heruntergekommen, teilweise zerfallen oder zerstört sind, zum Beispiel in der traditionsreichen Zisterzienserabtei Ossegg in Tschechien. In all dem wird das unauffällige, selbstlose Wirken der Oblaten deutlich, das ihr Leben durch die Jahrhunderte hindurch charakterisiert.

Irmgard Patricia Schmidt-Sommer

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin wurde der Artikel aus der Festschrift "100 Jahre Oblatengemeinschaft St. Ottilien, 1898 - 1998" entnommen.


Nach Entstehung des obigen Beitrages hat Frau Dr. Irmgard Patricia Schmidt-Sommer (+2013), Oblatin der Erzabtei St. Ottilien, in der Geschichte des Oblatentums weiter geforscht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Weltchristen noch zu Lebzeiten Benedikts eng mit dem Kloster verbunden haben. Sie hat das in folgendem Artikel dargelegt: "Dieses Institut verdient verbreitet zu werden..." Aus der Geschichte des Oblatentums.

In: Aufbruch mit Benedikt. Oblaten - eine christliche Lebensform
Hg. P. Claudius Bals OSB und P. Basilius Ullmann OCist. S. 44 ff. (EOS Verlag St. Ottilien 2009).