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Oblate - eine christliche Lebensform


In zunehmender Zahl suchen Menschen aller Alterstufen Verbindung mit benediktinischen Klöstern. Dies geschieht auf sehr unterschiedliche Weise: Als Gottesdienstbesucher, als Einzelgäste, als Teilnehmer an Besinnungstagen, Exerzitien, Bildungsangeboten oder auch durch Tage im Kloster. Sie gelangen so in das Kraftfeld benediktinischen Lebens und spüren, dass die menschliche und geistliche Erfahrung des Mönchtums auch für ihr Leben in der Welt Wegweisung, Ordnung und Hilfe sein kann.

Ein nächster Schritt ist es für manche dieser Menschen, dass sie immer wieder bewusst und regelmäßig in ein Kloster kommen, um hier Licht und Kraft für die Anforderungen des Alltags zu empfangen. An dem Platz, an den Gott sie gestellt hat, "suchen sie wahrhaft Gott" und richten ihr Leben nach seinem Wort aus. Sie lernen auch die Regel des Hl. Benedikt kennen und dringen durch häufigere Kontakte tiefer in die benediktinische Spiritualität ein. Die Regel des Hl. Benedikt ist ein Lebensprogramm für Mönche und Nonnen; sie kann aber auch eine Schule des Glaubens für alle Christen sein. Sie finden in ihr Lebenshilfe und Orientierung auf dem Weg zu Gott.

Aus dem Kreis der Gottesdienstbesucher, Gäste und Freunde kommen auch die Oblaten: Frauen und Männer, Priester wie Laien. Sie geben ihrer Verbindung mit dem Kloster die Form der Oblation.


Was bedeutet nun genau Oblation/Oblate?

Der Wort "Oblate" stammt aus dem Lateinischen (oblatus, das Partizip Perfekt des lateinischen Verbs offerre = der Hingegebene, Aufgeopferte, Dargebrachte) und bezeichnet ein grundlegendes christliches Lebensprogramm. Der getaufte Christ lebt als "neuer Mensch" in Christus und strebt mit der in ihm wirksam gewordenen Gnade immer tiefer nach der vollen Umgestaltung in Christus (vgl. Röm 6,4; Gal 2,20; Phil 2,5). Diese seine Gemeinschaft mit Christus beschreibt ein Text aus der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die bewusste und tätige Mitfeier des Gottesdienstes: "Die Christen sollen Gott danksagen und die unbefleckte Opfergabe darbringen nicht nur durch die Hände des Priesters, sondern auch gemeinsam mit ihm und dadurch sich selber darbringen lernen. So sollen sie durch Christus, den Mittler, von Tag zu Tag zu immer vollerer Einheit mit Gott und untereinander gelangen, damit schließlich Gott alles in allem sei."

Wie Christus sich Gott, dem Vater, und den Menschen hingab, so sollen sich die Christen Gott und dem Nächsten hingeben. Jesus Christus ist das Vorbild und der Weg. Er ruft in die Nachfolge. Zusammenfassend sagt dazu die dogmatische Konstitution über die Kirche - Lumen gentium - : "Zur Erreichung der Vollkommenheit sollen die Gläubigen die Kräfte, die sie nach Maß der Gnadengabe Christi empfangen haben, anwenden, um, seinen Spuren folgend und seinem Bild gleichgestaltet, dem Willen des Vaters in allem folgsam, sich mit ganzem Herzen der Ehre Gottes und dem Dienst des Nächsten hinzugeben. Dieses Ziel strebt der Oblate an. Seine Oblation ist ein öffentlicher Akt, in dem er sein Leben Gott mit dem Vorsatz übergibt, mitten in der Welt im Geist und im Sinne der Benediktsregel zu leben. Benediktineroblaten gehen diesen Weg der Nachfolge in bewusster Bindung an ein Benediktinerkloster und lassen sich dabei von der Benediktregel führen und prägen.

Die Berufung zum Oblaten darf jedoch nicht als ein verkürztes Mönchsleben oder als Mönchtum mit weniger Verpflichtungen verstanden werden. Der Benediktineroblate will bewusst und entschieden als Christ in der Welt leben, indem er seine Taufe ernst nimmt. Dabei sind ihm die benediktinischen Grundgedanken Richtschnur und Weisung. Er sucht darum Kontakt mit einem bestimmten Kloster. Er bindet sich also nicht so sehr an den Gesamtorden, sondern an "seine Abtei". Die Verbundenheit zwischen Kloster und Oblaten besteht vor allem in der Gebetsgemeinschaft. Die Oblaten haben Anteil am Gebet des Konventes und tragen zugleich die vielfältigen Aufgaben des Klosters in ihrem Gebet mit. Auch durch seine Oblaten wird das Kloster in der Kirche präsent. Alte und Kranke halten in Treue an dieser geistlichen Verbundenheit fest und sind so dem Kloster durch ihr Beten und Opfer eine große Hilfe. Das Kloster bietet durch den vom Abt beauftragen Oblatenrektor und andere Mitbrüder Einkehrtage, Kontakte durch Rundschreiben und geistliche Begleitung an. Andererseits wird das Kloster durch die Begegnung mit seinen Oblaten in vielfältiger Weise beschenkt.

Oblaten - Geschwister im Hause Benedikts

(Impulsreferat für den Workshop "Oblaten" des Äbtekongresses am 27.9.2004 in Rom)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert haben besonders die Klöster Affligem und Solesmes den Gedanken des Oblatentums wieder entdeckt und für ihre Zeit neu definiert. 1904 hat Papst Pius X. ein Statut für die Oblaten offiziell genehmigt. Die Situation der Oblaten ist in den einzelnen Weltregionen, - in den einzelnen Ländern -und in den einzelnen Klöstern nach meinen Beobachtungen sehr unterschiedlich. Norvene Vest, Oblatin von Valyermo, Kalifornien, stellte 1999 fest, dass in den nordamerikanischen Klöstern die Zahl der Oblaten oftmals 10 mal so groß ist wie die der Mönche ihres jeweiligen Heimatklosters. Von Waegwan, Korea, berichtete mir Primas Notker vor mehr als einem Jahr, dass die junge Oblatengemeinschaft bereits mehrere hundert Mitglieder zähle und fast zweihundert Kandidaten habe. In Deutschland sind viele Oblatengemeinschaften überaltert, einige wurden und werden ganz aufgegeben. In anderen Klöstern Deutschlands gibt es neue Anfänge, wobei man sich sehr genau fragt, was man eigentlich mit dem Oblatentum anbieten und anstreben will. Diese neuen Gemeinschaften sind klein und streben auch nicht nach schnellem Wachstum. Sie leben in einem hohen Reflexionsgrad über die Integration des „Benediktinischen“ in ihr Leben.

Nach meinen Beobachtungen gebrauchen wir alle dasselbe Wort „Oblaten“. Die Art, wie wir die Oblatenidee verwirklichen, ist aber so unterschiedlich, dass es nicht nur interessant, sondern notwendig ist zu fragen, ob wir wirklich unter dem einen Wort alle dasselbe verstehen. Wenn uns dabei eine bunte Vielfalt begegnet, heißt das nicht, dass das Eine richtig und das Andere falsch ist. Im Austausch können wir uns aber als „fremde Mönche“ begegnen, die unserer eigenen Sicht des Oblatentums gute Fragen stellen (vgl. RB 61,4). Das Gespräch zwischen einzelnen Oblatengemeinschaften innerhalb einer Region, zwischen Oblatentraditionen verschiedener Regionen und ein weltweites Gespräch können nur bereichernd sein für das eigene begrenzte Verständnis der Oblatenberufung.

Das „Benediktinische an sich“ gibt es nicht. Es gibt es nur in der Konkretion des jeweiligen Klosters. Zur Wirklichkeit des Oblaten gehört in dieser Linie die Anbindung an ein bestimmtes Kloster und seine Lebensinterpretation der Regel Benedikts. Die Oblaten nehmen in dieser Anbindung an ihr Kloster am Gelübde der stabilitas in congregatione teil. Die Anbindung an ein bestimmtes Klosters trägt für den Oblaten und für das Kloster Erwartungen und Verpflichtungen in sich, der sich beide Seiten bewusst sein müssen. Für unseren deutschen Bereich habe ich den Eindruck, dass sich durchaus nicht alle Klöster bewusst sind, dass sie gegenüber den Oblaten eine gesamtklösterliche Verpflichtung haben. Die Oblaten sind Oblaten des Klosters, - nicht die geistliche Klientel eines einzelnen Mitbruders. Der Oblatenrektor sollte in diesem Kontext einen ähnlich hohen monastischen Anspruch erfüllen wie der Novizenmeister. Er führt die Oblaten an das Kloster heran. Die Begleitung der Oblaten ist nicht eine unwichtige Nebenaufgabe in den Klöstern, sondern sie gehört zu ihren „Chefsachen“!

Es ist schwer, die wechselseitigen Erwartungen und Verpflichtungen zwischen Kloster und Oblaten griffig zu formulieren. Unter den weitgehend unzureichend gestellten und behandelten Fragen ist jene nach den Erwartungen, die ein Kloster an seine Oblaten haben könnte und sollte. Die oftmals genannten praktischen Hilfen sind eine gute Sache. Aber gibt es darüber hinaus eine geistliche Dimension, mit der die Oblaten ihrem Kloster ein Geschenk sind? Die Gebetsgemeinschaft zwischen dem Kloster und seinen Oblaten ist ein solcher Aspekt der geistlichen Dimension. Wird sie aber aber genügend reflektiert und auch zur Sprache gebracht? Es genügt auch für die Mönche nicht, zu „wissen“, dass man mit uns Mönchen und für uns Mönche betet. Auch wir müssen es immer wieder gesagt bekommen, um es nicht zu vergessen und nicht daran zu zweifeln. Worüber man nicht mehr redet, das ist nicht der Rede wert. Es wird zur quantité negligeable und ist irgendwann nicht mehr lebendig. Es ist nicht nur eine geistliche Einbahnstraße, sondern geistlicher Hochmut und eine geistliche Verarmung, wenn wir Kloster-Mönche uns nur als die Gebenden verstehen. Es ist andererseits die Gnade geistlicher Armut, wenn wir uns von den Oblaten-Geschwistern tragen und beschenken lassen. Die Oblaten sind in diesen Dienst am Kloster hineinzuführen. In die Klostergemeinschaften hinein ist zu vermitteln, dass die Oblaten diesen Dienst wahrnehmen und dass es ein wertvoller und Kloster erhaltender Dienst ist.

Die Menschen, die ich heute in Deutschland als Interessenten für das Oblatentum entdecke, sind weniger die voll sozialisierten, mit der Kirche und ihrem eigenen Christsein zufriedenen Christen, sondern Menschen, die etwas suchen, was sie in der „Normal-Kirche“ nicht mehr finden zu können glauben. Sie sind unruhige Menschen, die die Sehnsucht nach einem Mehr vorwärtstreibt. Wenn das Wort unserer Regel „ob er wirklich Gott sucht“ (RB 58,7) uns Mönche selbst in eine Sehnsuchtsdynamik hineinführt, dann können unsere Klöster Anknüpfungsorte sein, in denen die spirituelle Suche der Menschen eine Heimat findet. Wir Mönche sind in dieser Perspektive vor die selbstkritische Frage gestellt, ob wir uns damit begnügen, Verwalter einer großen Vergangenheit zu sein oder sehnsuchtsvolle Pilger zu einem neuen Jerusalem sein zu wollen – festinantes ad patriam caelestem (RB 73,8).

Oblaten sind nicht dann schon „gute Oblaten“, wenn sie regelmäßig zu den Oblatentreffen ihres Klosters kommen, - wenn sie einen Teil des Mönchsoffiziums (oder gar das ganze) beten, - wenn sie für den lateinischen Choral schwärmen, - wenn sie alle Praktiken und Usanzen ihrer Oblatengemeinschaften pflegen. Das alles ist gut und anzuempfehlen, ... aber das alles kann auch praktiziert werden, ohne dass es mit (benediktinischem) Geist gefüllt ist. Man kann als Mönch und ebenso als Oblate eine Fülle und Überfülle von Gebeten sprechen und dabei vor lauter Gebeten nicht zum Beten kommen. Der in der Observanzbeobachtung perfekte Mönch (und sicher ebenso ein Oblate) kann benediktinisch durchaus tot sein. Die Freude des Heiligen Geistes (vgl. RB 49,6) ist es, die lebendig macht und zur österlichen Erlösung führt.

Das Ziel des Lebens mit der Regel Benedikts ist es, mehr und mehr (vgl. RB 62,4) darauf hinzuwachsen, ganz in der Gegenwart Gottes zu leben. Das heißt: als Mönche und Oblaten wollen wir Gott in unseren Alltag einwurzeln. Oder anders gesagt: wir zielen darauf ab, dass Gott unseren Alltag ganz durchwurzelt. Zwar glaubt Benedikt, dass Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist, wenn wir im Gebet bei ihm versammelt sind (RB 19,1f), aber er ist ebenso davon überzeugt, dass Gott nicht in einem goldenen Gebetskäfig gefangen bleiben will. Benediktinische Zielsehnsucht ist es: ut in omnibus glorificetur Deus – dass Gott in allem verherrlicht werde (RB 57,9). In omnibus Deus, – in allem Gott, – Gott überall und in jedwedem einzelnen ... dahin will Benedikt seine Mönche locken und führen. Das ist sein Feuer, dessen Funkenflug unsere Verkündigung ist für Kirche und Welt. Bei unseren Oblaten hat dieser Funkenflug zu neuem Feuer geführt.

u.i.o.g.d.

Abt Albert Altenähr OSB

Mit freundlicher Genehmigung des Autors wurde dieser Artikel von der Homepage der Abtei Kornelimünster übernommen.

Weitere Informationen zum Thema Oblaten finden Sie auf der Seite der Internationalen Benediktineroblaten